Die Größe des Alltags

Man glaubt oft, dass Maler und andere Künstler ihr Leben immer in Leidenschaft verbringen. Manchmals ist es so in der Tat, z.B.wenn man an Picasso und seine Affäre denkt oder an Dali mit seiner exzentrischen Erscheinung und an Van Gogh und sein abgeschnittenes Ohr usw. Dennoch gibt es ab und zu auch wichtige Maler, die nur ihrem Talent und der Arbeit folgen. Ihr Leben ist ruhig und sie bleiben immer mit der gleichen Frau verheiratet. Wie Edward Hopper, der berühmte Amerikaner, geboren 1882, der 1967 starb. Er hat eine Weile in Paris gewohnt, dann kehrte er zurück und heiratete Jo Nivison, auch Malerin, die Model in vielen seiner Gemälde war. Eigentlich war Jo sein einziges weibliches Model und man sieht sie überall. Hopper kreierte zahlreiche Werke, die kann man heute in New Yorker Museen, wie Whitney und MOMA, und auch in anderen Städten und Privatsammlungen finden. Seine Lieblingsthemen sind Landschaften mit Leuchttürmen, Segelschiffe im Sturm, Kolonialhäuser und Szenen aus New York City mit einsamen Leuten in ziemlich unpersönlichen Häusern und Büros. Während der Maler das Leben dieser Leute beobachtet und die Wände ihren Alltag infiltrieren, erinnert er uns an Hitchcocks Film "Das Fenster zum Hof", er ist ein Voyeur. Hoppers bekanntestes Werk, das oft als Plakat reproduziert ist, heißt Nachtschwärmer und zeigt die Kunden einer Bar hinter einer Vitrine. In anderen Werken von Hopper, kann man eine Frau sehen, die die Einsamkeit ihrer Wohnung genieß, sehen, oder eine andere Frau, die mit dem Zug fährt, oder ein Paar vor der Eingangstür eines Hauses, oder zwei Frauen, die an den Tisch eines chinesischen Restaurants reden. Was macht Hopper endlich zu einem so großen Maler, so einzigartig? Fast alles. Seine Technik, seine Farbe, sein realistischer Blick, der Glanz und Größe zum Alltag von anonymen Menschen gibt. Das Licht das sie beleuchtet, führt sie aus dem Niemandsland und wie ein Rampenlicht bringt es sie zum Mittelpunkt. Diese grüblerisch müden, gelangweilten Stadtleute, die ihrer Routine mechanisch folgen, sind dank dem Künstlersauge gewählt und wichtig geworden. Auch gefühllose Sachen scheinen eine Stimme zu haben. Die Tankstelle, das Haus am Bahndamm, die Straßen und die Felsen in Maine. Noch etwas ist wichtig in Hoppers Arbeit: Er hat eine Epoche unsterblich gemacht. Eine Epoche mit all ihren Elementen, die Garderobe, die Architektur, die bescheidene Ausschmückung in den Häusern, die Gewohnheiten der Einwohner einer großen Stadt. Aber am wichtigsten, die ersten Zeichen der Einsamkeit und der Entfernung zwischen ihnen.